10 Euro vom Staat: So funktioniert die Frühstartrente

10 Euro vom Staat: So funktioniert die Frühstartrente

Ab 2027 sollen viele Kinder jeden Monat 10 Euro vom Staat für ihre Altersvorsorge erhalten. Mit der geplanten Frühstartrente möchte die Bundesregierung den Vermögensaufbau schon im Grundschulalter beginnen. Das Geld landet allerdings nicht auf dem Konto der Eltern, sondern in einem Altersvorsorgedepot, auf das erst im Rentenalter zugegriffen werden kann.

Für viele Familien klingt das zunächst nach einer kleinen Summe. Tatsächlich kann aus den monatlichen Einzahlungen über mehrere Jahrzehnte ein beachtliches Vermögen entstehen. Doch nicht alle Kinder profitieren von der neuen Förderung. Der aktuelle Gesetzentwurf sieht klare Voraussetzungen vor.

Mädchen zählt Münzen neben einem Sparschwein – Symbolbild zur Frühstartrente

Die geplante Frühstartrente soll Kindern früh den Einstieg in die private Altersvorsorge ermöglichen. Der Staat will dafür monatlich 10 Euro in ein Altersvorsorgedepot einzahlen.

Welche Kinder die Frühstartrente bekommen

Nach dem derzeitigen Stand soll die Frühstartrente zum 1. Januar 2027 starten. Die staatliche Förderung gilt zunächst für Kinder, die im Jahr 2026 sechs Jahre alt werden – also für den Geburtsjahrgang 2020. In den folgenden Jahren rückt jeweils der nächste Jahrgang automatisch nach.

Wer vor 2020 geboren wurde, geht nach dem aktuellen Gesetzentwurf leer aus. Eine rückwirkende Förderung älterer Kinder ist bislang nicht vorgesehen. Genau dieser Punkt sorgt bereits für Diskussionen. Familien mit mehreren Kindern könnten unterschiedlich behandelt werden, obwohl sich ihre Lebenssituation kaum unterscheidet. Ob sich daran im weiteren Gesetzgebungsverfahren noch etwas ändert, bleibt abzuwarten.

Was mit den 10 Euro passiert

Die staatliche Förderung wird nicht ausgezahlt, sondern fließt direkt in ein persönliches Altersvorsorgedepot. Ziel ist es, das Geld möglichst lange anzulegen und so vom Zinseszinseffekt zu profitieren.

Das Depot soll später in das geplante Altersvorsorgedepot für Erwachsene übergehen, das langfristig die Riester-Rente ersetzen soll. Eltern können den staatlichen Zuschuss nach aktuellem Stand freiwillig durch eigene Einzahlungen ergänzen. Wer zusätzlich spart, erhöht das spätere Vermögen seines Kindes entsprechend.

Ein früher Zugriff auf das Guthaben ist allerdings nicht vorgesehen. Weder für den Führerschein noch für das Studium oder den Kauf einer ersten Wohnung soll das Geld verwendet werden können. Die Frühstartrente ist ausschließlich für die Altersvorsorge gedacht.

Auf einen Blick
Förderung10 Euro pro Monat
StartGeplant ab 2027
AnspruchZunächst Geburtsjahrgang 2020
AuszahlungErst im Rentenalter
Eigene EinzahlungenFreiwillig möglich

Wie viel Geld daraus werden kann

Obwohl 10 Euro im Monat zunächst wenig erscheinen, entsteht durch die lange Anlagedauer ein deutlicher Vermögenseffekt. Das Bundesfinanzministerium rechnet in seinem Gesetzentwurf verschiedene Beispiele durch.

Ohne zusätzliche Einzahlungen könnten bis zum 18. Geburtstag rund 2.200 Euro im Depot liegen. Bleibt das Geld anschließend investiert, geht das Ministerium in seinen Modellrechnungen von einem Vermögen von rund 53.000 Euro bis zum 65. Lebensjahr aus. Zahlen Eltern zusätzlich 10 Euro pro Monat ein, steigt der Beispielwert auf etwa 107.000 Euro. Bei einer freiwilligen Sparrate von 50 Euro monatlich nennt der Entwurf sogar rund 320.000 Euro. Diese Beträge sind Modellrechnungen und keine garantierten Auszahlungen. Sie hängen unter anderem von der Entwicklung der Kapitalmärkte ab.

Gerade dieser langfristige Effekt ist der Kern der Frühstartrente. Nicht die Höhe der staatlichen Förderung entscheidet über das spätere Vermögen, sondern vor allem die Zeit, die das Geld investiert bleibt.

Warum die Frühstartrente nicht alle überzeugt

Die Idee einer staatlich geförderten Altersvorsorge für Kinder stößt grundsätzlich auf Zustimmung. Gleichzeitig gibt es Kritik an der geplanten Ausgestaltung.

Verbraucherschützer bemängeln unter anderem, dass ältere Kinder von der Förderung ausgeschlossen werden. Auch die lange Kapitalbindung wird kritisch gesehen. Familien können das Geld selbst dann nicht nutzen, wenn später größere Ausgaben für Ausbildung oder Studium anstehen.

Hinzu kommt ein weiterer Punkt: Die Beispielrechnungen beruhen auf langfristigen Renditeannahmen. Wie sich die Kapitalmärkte über mehrere Jahrzehnte entwickeln, lässt sich heute nicht vorhersagen. Deshalb sollten Eltern die genannten Beträge als Orientierung verstehen und nicht als garantierte Auszahlung.

Gerade deshalb ersetzt die Frühstartrente keine eigene Finanzplanung. Rücklagen für unerwartete Ausgaben, ein Notgroschen und eine passende Absicherung bleiben für Familien weiterhin wichtig. Die staatliche Förderung kann ein sinnvoller Baustein sein, sie löst aber nicht alle finanziellen Herausforderungen.

Was Eltern jetzt wissen sollten

Ob die Frühstartrente wie geplant kommt, entscheidet das laufende Gesetzgebungsverfahren. Bis zum endgültigen Beschluss können sich einzelne Regelungen noch ändern.

Für Eltern des Geburtsjahrgangs 2020 lohnt es sich deshalb, die weitere Entwicklung aufmerksam zu verfolgen. Wer bereits Geld für sein Kind spart, muss bestehende Sparpläne nicht überstürzt ändern. Sinnvoller ist es, zunächst die endgültigen Rahmenbedingungen abzuwarten und anschließend zu prüfen, wie sich die Frühstartrente in die eigene Finanzplanung integrieren lässt.

29. Juli 2026No comments,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert